„Anschlag in Berlin“

[…]jeder Tote ist zu viel, aber man muss die Relationen bewahren, auch, was die Aufregung und Empörung betrifft. Sie tun genau das, was die Terroristen beabsichtigen: in Angst und Schrecken zu verfallen statt in mürrischer Indifferenz, wie vom Politologen Herwig Münkler grandios empfohlen, zu verharren und so weiter zu machen wie bisher, ungerührt von kriminellen Außenseitern und Bodensatz der Gesellschaft, die, möglichst effektiv aus dem Weg zu räumen, Aufgabe der staatlichen Behörden ist.“

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Interview: Herfried Münkler | Mürrische Indifferenz

Auszug aus dem Interview «Hefried Münkler: Sind wir im Krieg?» mit Barbara Bleisch, SRF Sternstunde Philosophie 22.11.2015:

«Mürrische Indifferenz – ein Plädoyer dafür»: was meinen Sie damit?
Vergleichgültigung, also eine Form des Umgangs mit diesen Anschlägen, in der wir darauf so reagieren, als hätten sie eigentlich nicht stattgefunden. Denn wahr ist, Terrorismus ist eine komplexe Strategie und sie entfaltet ihre Wirkung gar nicht zunächst einmal unmittelbar durch die Anschläge, sondern auch über die Reaktion, über den Schrecken, den sie bei uns verursacht und Verhaltensweisen, die der Schrecken dann bei uns veranlasst.

Was wäre denn eine heroische Gelassenheit, für die Sie nicht plädieren können, weil wir religiös erkaltet sind?
Heroische Gelassenheit wäre im Prinzip, sich dieser Herausforderung bewusst zu stellen, ihr bewusst die Stirn zu bieten, eigentlich in dem Ruf: «Kommt doch, ihr werdet an uns scheitern, denn wir wissen ja, ihr seid so viele, nicht? Und in dem Masse, in dem ihr uns nicht in Angst und Schrecken versetzen könnt, weil wir uns nicht in Angst und Schrecken versetzen lassen, werdet ihr scheitern.»

 

„Warum ist eigentlich ein toter Pariser tausendmal mehr wert als ein toter Syrer in Syrien?“ (Münkler)

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Herfried Münkler: Sind wir im Krieg?

Natürlich ist Krieg. In vielen Ländern dieser Welt toben blutige Bürgerkriege. Doch stimmt es, dass sich Frankreich, dass sich der Westen im Krieg befindet? Falls ja, im Krieg gegen wen? Und wie ist dieser Krieg zu gewinnen? Herfried Münkler im Gespräch mit Barbara Bleisch.

Die Rhetorik des Westens hat sich seit den jüngsten Terroranschlägen verschärft. Frankreichs Präsident François Hollande sieht sein Land im Krieg, der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck beklagt die «Opfer einer neuen Art von Krieg», der Papst spricht gar von einem Dritten Weltkrieg.

Wem hilft diese Rhetorik? Schürt sie in erster Linie Angst und dient den Terroristen als Brandbeschleuniger – oder nennt sie bloss die Dinge beim Namen? Zeigt die Wortwahl die Hilflosigkeit angesichts des Umstands, dass sich der Terrorismus seit «Charlie Hebdo» trotz aller Massnahmen nicht besiegen liess? Was bedeutet die Rede von Krieg völkerrechtlich? Und sind sich die Menschen bezüglich der Werte, die plötzlich alle verteidigen wollen, überhaupt einig?

«Sternstunde Philosophie» sucht nach Antworten mit dem Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler, der seit Jahrzehnten das Wesen des Kriegs erforscht und seine Entwicklung im Lauf der Zeit nachzeichnet.

Quellen Text und Bild
SRF Sternstunde Philosophie
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